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28.01.2022

Die konservative Arztpraxis geht den Weg des Einzelhandels

ETL ADVISION-Meinungsbarometer "Der amazonisierte Patient" befragt Ärzte über die digitale Entwicklung des Gesundheitswesens und gibt Handlungsempfehlungen für die Praxis der Zukunft

Geht das Gesundheitswesen den Weg des Einzelhandels? Bei genauerer Betrachtung der digitalen Entwicklung der Branche ist eine „Amazonisierung“ nicht zu leugnen. Eine Chance für Mediziner, die diesen Trend rechtzeitig erkennen und ihre Handlungen daran ausrichten. ETL ADVISION und das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Civey blicken im exklusiven ETL ADVISION-Meinungsbarometer: Der amazonisierte Patient − was Versandhandelskunden und Patienten gemeinsam haben auf die digitale Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens. Mit einer repräsentativen Umfrage unter 200 niedergelassenen Ärzten bietet die Publikation einen aussagekräftigen Blick auf die Stimmung und die Veränderungsbereitschaft von Praxen und Patienten. Unter Berücksichtigung der digitalen Trends der Gesellschaft sowie der sich abzeichnenden veränderten Patientenbedürfnissen deckt das Meinungsbarometer Parallelen und Synergien zur Entwicklung von Online- und stationärem Einzelhandel auf, die Mediziner für die Zukunftsausrichtung ihrer Praxis nutzen sollten.

Repräsentative Civey-Umfrage vermittelt Stimmungsbild niedergelassener Ärzte

Für die Ergebnisse des Meinungsbarometers hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von ETL ADVISION zwischen dem 17.09. und dem 22.11.2021 ca. 200 niedergelassene Ärzte befragt. Die Ergebnisse − unter Berücksichtigung des angegebenen statistischen Fehlers – sind repräsentativ für die Grundgesamtheit.

Dabei lag den Umfrageteilnehmern ein vielseitiger Fragenkatalog vor. Aus Fragen zum derzeitigen und erwarteten Patientengruppen-Verhalten, zur Einführung digitaler Angebote in Arztpraxen und etwaigen Hindernissen sowie momentan bestehenden Ablehnungsgründen ergibt sich ein Gesamtbild, das nicht nur den aktuellen Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen widerspiegelt, sondern die Veränderungsbereitschaft der Branche reflektiert sowie Herausforderungen und Hürden aufzeigt.

Was bedeutet eine „Amazonisierung“ des Patienten

„Das Patientenverhalten unserer Gesellschaft verändert sich. Profiteure werden die Mediziner sein, die veränderte Patientenbedürfnisse erkennen und darauf aktiv reagieren. Es ist eine offene Einstellung und Mut gefragt, um die eigene Praxis auf das neue Zeitalter einzustimmen“, so die Annahme des Meinungsbarometers von ETL ADVISION. In der derzeitigen Digitalisierung des Gesundheitswesens erkennen die Studienherausgeber um Janine Peine, Steuerberaterin und Expertin im Gesundheitswesen für den Bereich Ärzte und Zahnärzte, Parallelen zur Entwicklung im Einzelhandel, wo der Boom des E-Commerce mit einem Niedergang des stationären Handels einhergeht. Dort seien mittlerweile große Zusammenschlüsse und Ketten vorherrschend. Kleine Geschäfte müssten heutzutage ideenreich und innovativ sein, um sich in ihrer Nische behaupten zu können.

„Spätestens mit der Pandemie“, so heißt es in der Publikation, „haben digitale Veränderungen auch das Bewusstsein der Patienten erreicht.“ Seit Jahren ist im Gesundheitswesen ein Trend zu größeren Praxen und medizinischen Zusammenschlüssen erkennbar. „In unseren Städten entstehen Ärztezentren ähnlich wie seinerzeit Einkaufszentren. Digitalangebote und Erreichbarkeit zu quasi jeder Tageszeit werden in immer mehr Praxen umgesetzt und von Patienten geschätzt.“

E-Health-Leistungen, so die These des Meinungsbarometers, „werden langfristig die Bedürfnisse der Patienten bedienen und ihr Einsatz von ihnen folglich immer mehr eingefordert.“ Daraus werde „eine patientenorientierte Entwicklung folgen, der sich die Mediziner nicht entziehen können.“ Aus Onlineshoppenden werden Onlinepatienten!

Vor- und Nachteile digitaler Angebote: Was die Umfrageergebnisse über die Haltung der Branche verraten

Glauben die Mediziner in Deutschland an eine digitale Zukunft des Gesundheitswesens? Und erkennen sie diesen Trend bereits jetzt an einem veränderten Patientenverhalten? ETL ADVISION wollte in der Civey-Umfrage von den Teilnehmenden u.a. wissen, wie aufgeschlossen die Mediziner gegenüber der Einführung einer Videosprechstunde oder anderen digitalen Angeboten wie der elektronischen Patientenakte (ePA) oder dem E-Rezept sind. Weitere Fragen zielten auf die Erfahrung der Mediziner im Umgang mit den Patienten um Auskunft darüber zu erhalten, inwiefern digitale Angebote von Patienten angenommen bzw. eingefordert werden und welche Patientengruppen z. B. Videosprechstunden bevorzugen.

Konservatismus und Skepsis: In der Branche weit verbreitet – für die Branche ein Problem?

Die exklusive Umfrage von ETL ADVISION in Kooperation mit Civey förderte eine ambivalente Haltung der niedergelassenen Ärzteschaft gegenüber digitalen Angeboten zutage. Zwar identifizieren über die Hälfte der Befragten die Corona-Pandemie als Beschleuniger für die Einführung von Videosprechstunden in ihrer Branche und 37,3 Prozent geben an, dass solche digitalen Angebote eine sinnvolle Ergänzung für die medizinische Versorgung der Patienten auf dem Land bedeuten. Doch das Potenzial einer Videosprechstunde für die Attraktivität der eigenen Praxis erkennt nur jeder Zehnte. Zudem geben 63,5 Prozent an, in den nächsten beiden Jahren keine Einführung von Videosprechstunden zu planen. Ein Drittel der Befragten wiederum hat den Service bereits im Angebot bzw. in Planung oder ist noch unentschlossen.

Ein Grund für die in der Umfrage zutage geförderte Skepsis sind die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung. Demnach bemängeln jeweils rund 30 Prozent der Ärzte Unklarheiten beim Datenschutz sowie zu langsame Internetverbindungen. Rund 41 Prozent geben ein zu geringes Honorar für Videosprechstunden an. Probleme, bei denen die Politik gefragt ist, den Praxen Unterstützung zu leisten.

Aus der Pflicht eine Kür machen – Digitalisierung als Chance nutzen

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass ein grundsätzlicher Widerstand der Ärzteschaft gegenüber digitalen Angeboten nicht vorhanden ist, jedoch für die Mehrheit der Ärzte das Potential für die eigene Arztpraxis noch nicht erkennbar ist. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und sich verändernder Patientenbedürfnisse warnt die Studie jedoch vor Stillstand: „Das Vogel-Strauß-Prinzip“, so Janine Peine, „wird zumindest langfristig keine Lösung sein. Diesen Praxen wird es sonst ähnlich ergehen wie seinerzeit dem Einzelhändler.“

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